Kunst-Reflexion
- isa belle

- 23. Juli 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Dez. 2025
Ein Gespräch über den Ausdruck selbstgeschaffener Werke -

eine Handschrift
Wie ich meine Kunstwerke einem interessierten Betrachter präsentiere, zeigt meine Handschrift. Zeige ich sie so, wie sie entstehen, im Atelier, einer Werkstatt - herumstehend? Oder denke ich mir eine kleine Zusammenschau aus und gestalte eine Bühne, einen Präsentationsraum oder einen Garten? Will ich meinen Werken etwas hinzufügen oder sie "pur" vorstellen? Stelle ich sie unter ein Motto oder begleite meine Präsentation mit einer kleinen Einführung? Welche Art und Weise passt zu mir und meinen Werken?
individuelles Erleben beim Betrachten
Die Betrachtung und das Feedback wird immer anders ausfallen. Jeder interessierte Betrachter geht in Resonanz mit den gezeigten Werken. Dabei empfindet er ganz individuell gedankliche Botschaften, Emotionen und Sinneseindrücke. Diese lösen bei ihm aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen und Prägungen wiederum Gedanken, Gefühle und Erinnerungen aus und formen so einen individuellen Eindruck vom wahrnehmbaren Ausdruck des Kunstwerkes.
Auch die Sinnesorgane arbeiten unterschiedlich. Farben, Formen und Raumeindrücke werden vom Betrachter buchstäblich unterschiedlich gesehen. Es geht also nicht um eine "objektive" Beurteilung der Werke, sondern eher um ein Resumé vieler unterschiedlicher Betrachtungen.
unbewusster Ausdruck oder bewusst gestaltetes Konzept?
Jeder Künstler gestaltet aus unterschiedlichen Beweggründen, Herangehensweisen und Überzeugungen. Ob er bewusst kognitiv arbeitet oder seinem Unterbewusstsein die Führung überlässt - alles ist möglich. Da sich der Künstler mit seinem Werk aber darstellt und repräsentiert, ist es immer auch ein Symbol für sein Selbst. Dieses Selbst "einzufangen" und seine "Botschaft" - ob sinnlich oder konzeptionell - zu beschreiben, kann die künstlerische Arbeit inspirieren, sich noch intensiver darzustellen. Und es kann den Künstler bereichern, seinen Ausdruck auf eine neue, bisher noch fremde Art und Weise zu begreifen.
Energie und Präsenz
Diejenigen Kunstwerke faszinieren uns am meisten, die eine große und einnehmende Ausstrahlung zeigen - deren Ausdruck uns beeindruckt und unseren Blick irgendwie bannt.
Es ist die Energie, die dieses Kunstwerk im Raum erzeugt und dadurch einen Anknüpfungspunkt zu Energien anbieten, die wir in unseren Leben schonmal erfahren haben. Diese Energie entsteht auch durch einen "echten" Ausdruck des Künstlers, der uns mit seiner Authentizität berührt, die eine ganz eigene Energiequalität zu haben scheint.
Wenn ein Kunstwerk in Form, Farbe, Energie und Botschaft stimmig gestaltet ist, scheint es darüber hinaus eine natürliche Daseinberechtigung auszustrahlen, eine "Präsenz". Obwohl leblose Materie, scheint das Kunstwerk dann ein Eigenleben zu besitzen und uns deshalb umso mehr zu faszinieren.

Klärung von Anspruch und Botschaft
Egal, ob ich etwas aus dekorativen oder ästhetischen oder handwerlichen oder eine-Botschaft-vermittelnden Ansprüchen gestalte - es ist immer ein kreativer Akt und eine Form von Selbstausdruck.
Wesentlich ist, dass ich mir als Erschaffer meiner Kategorie von Kunst bewusst bin, um mit dem Ausdruck meiner Werke zufrieden zu sein und Erfüllung im Schaffen zu finden.
Auch wenn ich meine Werke öffentlich präsentiere, vermeide ich falsche Erwartungen, wenn ich mit dem Rahmen und dem Begleitschreiben den Anspruch meiner Ausstellung deutlich mache. Dazu ist es natürlich notwendig, meine eigene Arbeit zu reflektieren und im großen Kunstgeschehen einschätzen zu können. Hierbei helfen viele verschiedene Blicke von außen und vertrauensvolle Rückmeldungen Kunst erfahrener Personen.
Resonanz ermöglichen und ausstellen
Möchte ich meine Kunstwerke einer Öffentlichkeit zeigen? Was habe ich davon? Geld gibt es im Normalfall keines dafür, im Gegenteil: Ich muss meist selbst in die Präsentation mit Zeit, Arbeit und notwendigen Materialien investieren. Was also ist der Mehrwert, den ich damit erzeuge?
Zum einen setze ich bei jedem einzelnen Kunstwerk einen Punkt hinter seinen Schaffungsprozess, denn der fertiggestellte Ausdruck ist erst vollendet, wenn ich seine "Sichtbarkeit" vollende, indem ich ihn vielen Augen präsentiere.
Zum zweiten ist die Präsentation eines Kunstwerkes - im Sinne der Kombination mit anderen Werken, der Wahl eines Rahmens, Sockels und Raumes - ein Teil seines Ausdrucks und von Bedeutung.
Und drittens entlasse ich mein fertiges Werk, indem ich es ausstelle, als eigenständiges Objekt in die Welt und erschaffe einen Begegnungsraum, indem Resonanz zwischen dem Werk und einem Betrachter passieren kann. Stattfindende Resonanz erzeugt ein Gefühl von Gemeinsamkeit oder auch Verbindung, die anregt und inspiriert - ich erschaffe Kultur.
Kritik schätzen lernen
Um die Reaktionen auf meine Werke mitzubekommen, sollte ich als Künstler zu angekündigten Tagen anwesend sein und ein Gästebuch auslegen, um willkommene Rückmeldungen zu ermöglichen. Möglich wäre auch, meine Gedanken zum eigenen künstlerischen Ausdruck in einer Diskussionsrunde vorzustellen und mich mutig und neugierig mit den Rückmeldungen anderer Betrachtungsweisen auseinander zu setzen.
Wenn ein Betrachter an meinen Werken unbeeindruckt vorbeigeht, war er an ihnen nicht interresiert und hat schlicht keine Resonanz herstellen können.
Wenn ein Betrachter meine Werke kritisiert und ihre schlechten und für ihn unbefriedigenden Aspekte benennt, schenkt er ihnen Aufmerksamkeit und gibt Energie in seine Betrachtung und Ausführungen. Falls er nicht an einer narzistischen Störung leidet und den Künstler "kleinmachen" will, will er ihm wahrscheinlich negative Aspekte der Kunstwerke benennen, damit der Künstler diese beheben kann. Der kritische Betrachter ist vielleicht motiviert, den Künstler in seinem Schaffen zu fördern, wenn er ihm seine negative Resonanz mitteilt. Was wäre, wenn der Künstler der Kritik zuhören würde und nur die Aspekte in sich aufnimmt, die er für wichtig erachtet und die er verändern will?

Kunst als Selbsterweiterung
Wie erfahre ich etwas Neues über mich? Wie kann ich mich erleben, wie ich mich vorher noch nie erlebt habe? Was wäre eine sinnvollere Herangehensweise als seine kognitiven Gedanken einmal hintenan zu stellen und sich von Formen, Farben, Materialien und wilden Kombinationen inspirieren zu lassen?
Unser Selbst, das neurologisch betrachtet als Neugborenes noch gar nicht vorhanden ist und sich durch Resonanz überhaupt erst bildet, sucht ein Leben lang nach positiver Resonanz, um sich Selbst erfahren und erweitern zu können.
Kunst zu betrachten und dabei sich Selbst in seiner Reaktion darauf zu erleben und Neues zu entdecken, ist eine Erweiterung seines Selbsterlebens. Selbst etwas zu gestalten und im Erschaffesprozess und dem entstandenen Werk sein Selbst neu zu begreifen, ist eine tiefgreifende Bereicherung.
die Ausstellung als Gesamtkunstwerk
Ein Kunstwerk wirkt für sich alleine. Wenn aber mehrere zusammenkommen und miteinander ein "Gespräch" beginnen, im Besonderen, wenn ähnliche einzelne "Botschaften" (bei der Ausstellung eines Künstlers) sich gegenseitig bestärken, entsteht etwas Dynamisches im Raum. Nicht umsonst ist der "Kurator" ein Künstler auf besondere Art und Weise. Er begreift den "Zusammenklang" der Werke und kombiniert, variiert und kontrastiert die Werke der Art, dass ein spannendes und bannendes Gesamtkunstwerk entsteht. Diese Kunst fällt dem erschaffenden Künstler oft schwer, weil er mit den einzelnen Kunstwerken meist emotional verbunden ist und die einzelnen "Botschaften" nicht so leicht zu einer "Gesamtbotschaft" transverieren kann. Hilfreich ist wiederum das Gespräch eines externen Kurators mit dem erschaffenden Künstler, um in einem kreativen Prozess, die Darstellung der Werke gemeinsam zu intensivieren und eine bannende "Präsenz" zu erzeugen.
mein Angebot an Künstler
Ich biete Künstlern - egal mit welchen Ansprüchen an ihre Werke - ein Gespräch an. Dabei geht es um die Reflexion der hergestellten Werke, was die Darstellung, den Ausdruck, die wahrnehmbare "Botschaft", das gewählte Material, die Farbe, die Form, die Raumwirkung, die Energie und Präsenz usw. betrifft. Alles sollte sich gegenseitig und vor allem der Intention des Künstlers dienen. Wo sind die spannenden Kontraste, wo fließt alles ineinander, wodurch fängt der Betrachter an mitzuschwingen?
Über alle dies zu sprechen und eine individuelle und ehrliche Rückmeldung zu hören, kann dem Schaffensprozess Inspiration und Motivation zugleich sein.




Kommentare