Pferden begegnen
- isa belle

- 19. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Dez. 2025
Der Kontakt mit dem Pferd als therapeutische Intervention -

was ist daran therapeutisch?
Es geht darum, deine Ursprünglichkeit und dein schlichtes, natürliches Daseins wahrzunehmen und in einen echten Kontakt mit einem Gegenüber zu treten.
Du erlebst dabei:
wie sehr du dich spürst,
wie du agierst und reagierst,
wie stark du dich ausdrückst,
wie sehr du mit einem anderen Wesen mitfühlst,
wie überzeugend du bist,
wie dein Körper kommuniziert,
ob du vertrauenswürdig bist.
warum das Pferd?
Pferde sind Wahrnehmungskünstler: sie sehen besser, hören besser, "lesen" Gerüche besser, sind stärker und schneller und fühlen intensiver. Wenn ich es mit einem Pferd aufnehmen möchte, muss ich meinen Verstand, aber vor allem meine Intuition einsetzen. Und ich sollte mich darin üben, meine Wahrnehmung und Achtsamkeit zu trainieren, denn sonst reagiert das Pferd immer bevor ich es tue - dann führe ich nicht.
Übung 1: Fokus auf deine Ursprünglichkeit
Dies ist eine einführende Übung mit der du deinen Ich-Zustand veränderst, um Tieren zu begegnen. Es geht um deine Sinne, deine Perspektive und deine Achtsamkeit, die dich selbst, deine Umgebung, die Witterung, die Gegenwart von anderen und die gegenwärtige Stimmung einschließt. Das Pferd zeigt sich dir in seiner Ursprünglichkeit und dient dir als Vorbild, im Moment zu sein, gedanklich loszulassen, nur zu beobachten, zu spüren und instinktiv zu handeln. Folge ihm in seine Wahrnehmungswelt und sei ursprünglich.
Präsenz: die Fähigkeit mitzuschwingen
Ich brauche Präsenz, um gesehen, gespürt, geachtet und wertgeschätzt zu werden. Wenn ich mein "Sein" im Raum spüre, spüren das auch Anwesende. Und dies umso deutlicher, je mehr Energie von mir abstrahlt. Damit ist nicht nur die physische Energie gemeint, die das magnetische Herzfeld, der Pulsschlag oder die Muskelspannung erzeugen, sondern auch die Energie, die ein fokussierter Geist erzeugt und noch mehr die einer erfüllten Seele. Wenn ich also von einer Begegnung bewegt und erfüllt bin, schwinge ich stark mit Jemandem mit und erfülle den Raum mit meiner Präsenz. Diese brauchen wir für die Begegnung mit dem Pferd.
du stehst vor einem Pferd
Übung 2: die Begegnung
Zwei Lebewesen in einem begrenzten Raum: Du stehst betrachtend und machst eine erste Charakteraufnahme von diesem Pferd. Was ist sein Abstand zu dir, seine Haltung, seine Richtung, seinen emotionalen Ausdruck und seine Energie? Ist es neugierig oder gelangweilt oder müde? Was würde es sagen, wenn es sprechen könnte?
Erst wenn du dein Gegenüber "siehst", kannst du ein WIR zulassen, das von Gemeinsamkeiten und Widersprüchen lebt. Und du prüfst: Passen wir momentan zusammen oder müssen wir Gegensätze überwinden? Welches ist die Ausgangslage von uns Zwei? Bei der Begegnung ist die Achtsamkeit und Rücksichtnahme auf den Gemütszustandes des Pferdes der Schlüssel zu unserer Verbundenheit.
sich spielerisch durchsetzen
Übung 3: das Herdenspiel
Diese Übung dient der Kontaktaufnahme und Hierarchieklärung. Du und das Pferd seid - aus der Sicht des Pferdes - eine Herde. Wer von euch beiden also den Raum einnimmt, ist der Anführer. Dieser hat das Recht, den Anderen wegzuschicken oder auch seine Bewegung zu stoppen und einzuengen, um seinen Raum zu sichern. Da du der Anführer sein willst, sei bei deinem dominanten Verhalten stets souverän, dabei aber auch achtsam und mitfühlend. Dein Ziel ist nicht das "Gewinnen", sondern eure gegenseitige Kontaktbereitschaft.
Die anspruchsvolle Rolle des Herdenführers bedarf einer Haltung, die Eigenschaften in sich vereint wie:
höchste Wachsamkeit, Friedfertigkeit, klare bewusste Körpersprache, Bescheidenheit, Macht, Präsenz, Mitgefühl.
Das Herdenspiel ist ein "Gespräch" zwischen Pferd und Mensch, das auf Annäherung und Rückzug, Dominanz und Zulassen aufgebaut ist und durch die faire Begegnung Verbundenheit schafft.
Übung 4: Führung anbieten
Sobald das Pferd meine faire Dominanz akzeptiert und mir vertraut, wird es gerne zu mir kommen. Es wird nicht zu nah herantreten und auch nicht über mich drüberlaufen, weil ich die Dominantere bin. Aber es wird meine Nähe suchen, die Sicherheit und Zuwendung verspricht, und es wird meiner Bewegung folgen. Nun kann ich meine offene Hand als Führung benutzen und mit der gemeinsamen Aktivität beginnen. Wie stark unsere Verbundenheit ist, zeigt, ob die Führung zwischendurch abreißt. Wenn das passiert, kehre ich zu Übung 3 zurück.
wozu braucht es überhaupt eine Führung?
Wieso gehen mein Pferd und ich nicht demokratisch und gleichberechtigt miteinander um? Weil wir aus der Perspektive des Pferdes eine Herde sind, also eine zusammenlebende Tiergruppe, die einer hierarchischen Ordnung folgt, welche die Aufgaben und Abläufe bestimmt. Das mag uns nicht gefallen, weil wir meinen, diese in unserer zivilisierten Gesellschaft überwunden zu haben, aber tatsächlich ordnet sich auch die menschliche Spezies in der Gruppe einer Hierarchie unter.
Die richtigere Frage wäre: Wer von uns beiden ist der Anführer? Wer sich daraufhin freiwillig unter dem Pferd einordnet, ignoriert die Tatsache, dass das Pferd mit dem Zurechtkommen in unserer heutigen Umwelt überfordert wäre. Auch sein maßregelndes Verhalten als "Anführer" wäre für die menschliche Konstitution ungesund bis gefährlich. Mit der Position des Anführers übernehme ich die Verantwortung für die Sicherheit und das Wohlbefinden meiner Herde, also meines Pferdes.
was nehme ich mit?
Mich zu erfahren:
Wie habe ich mich erlebt? Wie bin ich, wenn ich authentisch bin? Wie habe ich mich einlassen können? Habe ich eine Verbindung herstellen können? Wie hat das Pferd auf mich reagiert? Und wie habe ich mich dabei gefühlt? Was hat die Begegnung in mir verändert? Was von meinen Erkenntnissen kann ich annehmen und was nicht? Um welches Thema ging es in der Begegnung für mich? Was will ich weiterverfolgen?
was kostet es?
70 € pro Intervention von einer Stunde
Arbeitsutensilien werden gestellt,
festes Schuhwerk und wetterfeste, robuste Kleidung werden empfohlen




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