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Weißt du noch?, Mai 2010
Weißt du noch?

Aug in Aug
standen wir
mal
versunken
du in mir
und ich in dir
mal
uns betrachtend
ich dachte,
so fremd dieser Mann
du dachtest,
diese Frau,
was will sie von mir?

unsere Lippen
trafen sich
mal durstig
herrlich süß duftend
sprach dein Mund von der Liebe
ich lauschte − sehnsüchtig
manchmal jedoch
waren sie trocken und taub
Worte fielen aus meinem Mund
du fingst sie nicht auf
schobst sie auf einen Haufen zusammen
ratlos und stumm

Hand in Hand
wanderten wir
meine fest in der deinen
durch belebte Gassen
uns schlängelnd und lachend
durch große Wälder
mächtig schaukelnder Wipfel
durch trockene Täler
an durstigen Tagen
mal zog ich dich durch den Sand
mal trugst du mich schwer auf deinem Rücken

Stirn an Stirn
kämpften wir
ineinander verschlungen
ringend
ich blieb hängen
wie abgestreift an einem Laternenpfahl
du − stürmisch geschubst
von einer Klippe
hilflos am Boden zerschellt
weh mir,
dass ich dir so weh getan
weh dir,
dass ich achtlos liegen blieb

Leib an Leib
lagen wir beisammen
auf Moos zärtlich gebettet
auf hoher See trunkenem Sturm
auf dürrer Wüste trockenem Boden
eng umschlungen
dein Herz lag auf meinem
ich hörte sie beide sprechen
zart schlagend köstlich
liebten wir den Augenblick

weißt du noch?
mal bist du gegangen
und ich kam dich holen
mal ließ ich dich los
und wollte zurück
all die Jahre
folgten wir unserer Fährte
bis wir bemerkten:
in diesem Leben
wandern wir denselben Weg

da stehen wir nun
Herz an Herz
und rufen euch zu:
Lasst schmieden zwei Ringe!
Schlagt lauter die Trommeln!
Tanzt wilder und schneller!
Entzündet das Licht!
Hell glücklich leuchtend
sei unser Leben
an diesem Tag
im Augenblick